Wer entscheidet, wer macht, wer weiß es?
Prozessprobleme haben oft weniger mit dem Ablauf selbst zu tun als mit der Frage, die niemand klar beantwortet hat: Wer entscheidet das eigentlich? RASIC ist ein strukturiertes Werkzeug, das genau diese Frage beantwortet: für jeden Schritt eines Prozesses oder Projekts. Das Akronym steht für fünf Rollen: Responsible (führt aus), Accountable (trägt die Gesamtverantwortung), Support (hilft aktiv mit), Informed (wird informiert) und Consulted (wird fachlich eingebunden). Die Methode ist eine Weiterentwicklung des bekannteren RACI-Modells – das zusätzliche S für Support macht eine Rolle sichtbar, die in der Praxis häufig übersehen wird: Personen, die nicht die Hauptverantwortung tragen, aber ohne deren aktiven Beitrag eine Aufgabe nicht gelingt. Das Ergebnis ist eine Matrix, die auf einen Blick zeigt, wer was tut, wer entscheidet und wer zumindest informiert sein muss.
Immer dann, wenn dieselben Aufgaben immer wieder zu Reibung führen, weil zu viele oder zu wenige Personen involviert sind und unklar ist, wer entscheidet, oder weil Ergebnisse niemanden überraschen sollten, es aber tun.
RASIC schafft Transparenz über Verantwortlichkeiten, es schafft keine Verantwortungsbereitschaft. Wer in einem Workshop Felder strategisch statt ehrlich befüllt, um Verantwortung zu vermeiden oder Entscheidungshoheit zu schützen, produziert eine saubere Matrix mit falschen Inhalten. Das ist der häufigste Grund, warum RASIC scheitert. Die Methode beschreibt außerdem, wer was tut und nicht, wie es getan wird. Sie ersetzt keine Prozessbeschreibung, kein Swimlane-Diagramm, keine Arbeitsanweisung. Und sie veraltet schnell: Reorganisationen, Personalwechsel oder neue Aufgaben machen eine Pflege notwendig, die in vielen Unternehmen nicht stattfindet. Eine letzte Einschränkung: In sehr kleinen Teams mit wenigen Rollen verliert das Werkzeug an Nutzen. Wer ohnehin weiß, wer was macht, braucht keine Matrix dafür.