RASIC

Wer entscheidet, wer macht, wer weiß es?

Prozessprobleme haben oft weniger mit dem Ablauf selbst zu tun als mit der Frage, die niemand klar beantwortet hat: Wer entscheidet das eigentlich? RASIC ist ein strukturiertes Werkzeug, das genau diese Frage beantwortet: für jeden Schritt eines Prozesses oder Projekts. Das Akronym steht für fünf Rollen: Responsible (führt aus), Accountable (trägt die Gesamtverantwortung), Support (hilft aktiv mit), Informed (wird informiert) und Consulted (wird fachlich eingebunden). Die Methode ist eine Weiterentwicklung des bekannteren RACI-Modells – das zusätzliche S für Support macht eine Rolle sichtbar, die in der Praxis häufig übersehen wird: Personen, die nicht die Hauptverantwortung tragen, aber ohne deren aktiven Beitrag eine Aufgabe nicht gelingt. Das Ergebnis ist eine Matrix, die auf einen Blick zeigt, wer was tut, wer entscheidet und wer zumindest informiert sein muss.

Anwendung

Immer dann, wenn dieselben Aufgaben immer wieder zu Reibung führen, weil zu viele oder zu wenige Personen involviert sind und unklar ist, wer entscheidet, oder weil Ergebnisse niemanden überraschen sollten, es aber tun.

Vorgehen

  1. Aufgaben definieren. Die linke Spalte der Matrix enthält alle relevanten Prozessschritte oder Aufgaben klar und handlungsorientiert formuliert, aber nicht zu kleinteilig. Was nicht als eigenständige Aufgabe benennbar ist, gehört nicht in die Matrix.
  2. Rollen benennen – keine Namen, nur Funktionen. Die Spaltenköpfe sind Rollen oder Funktionen: Qualitätsmanagement, Vertrieb, Produktion, Geschäftsführung. Wer Personennamen einträgt, erstellt eine Aufgabenliste, keine Prozessstruktur und die Matrix veraltet beim nächsten Personalwechsel sofort.
  3. Matrix gemeinsam befüllen – Buchstabe für Buchstabe. Pro Aufgabe: mindestens ein R, genau ein A. S, C und I nach tatsächlichem Bedarf. Wer versucht, die Matrix allein am Schreibtisch zu erstellen und danach zur Unterschrift vorzulegen, verliert den wichtigsten Vorteil der Methode: die gemeinsame Klärung.
  4. Konsistenz prüfen – horizontal und vertikal. Horizontal: Hat jede Aufgabe ein A? Gibt es Aufgaben mit mehreren A-Einträgen? Gibt es Aufgaben, bei denen alle gleichzeitig verantwortlich sind? Vertikal: Ist eine Rolle in fast jeder Zeile mit C oder I eingetragen? Das ist oft ein Zeichen für Informationsüberflutung oder fehlende Delegation.
  5. Abstimmen und verbindlich machen. Die fertige Matrix wird mit allen Beteiligten abgestimmt. Eine RASIC, die niemand unterschrieben hat, hat keine Verbindlichkeit. Eine, die unterschrieben, aber nie kommuniziert wurde, auch nicht.

Einschätzung aus dem Berateralltag

RASIC schafft Transparenz über Verantwortlichkeiten, es schafft keine Verantwortungsbereitschaft. Wer in einem Workshop Felder strategisch statt ehrlich befüllt, um Verantwortung zu vermeiden oder Entscheidungshoheit zu schützen, produziert eine saubere Matrix mit falschen Inhalten. Das ist der häufigste Grund, warum RASIC scheitert. Die Methode beschreibt außerdem, wer was tut und nicht, wie es getan wird. Sie ersetzt keine Prozessbeschreibung, kein Swimlane-Diagramm, keine Arbeitsanweisung. Und sie veraltet schnell: Reorganisationen, Personalwechsel oder neue Aufgaben machen eine Pflege notwendig, die in vielen Unternehmen nicht stattfindet. Eine letzte Einschränkung: In sehr kleinen Teams mit wenigen Rollen verliert das Werkzeug an Nutzen. Wer ohnehin weiß, wer was macht, braucht keine Matrix dafür.