Den Lösungsraum vollständig sichtbar machen
In den meisten Verbesserungsprojekten wird die zweitbeste Lösung umgesetzt. Nicht weil das Team unfähig wäre, sondern weil die beste Lösung nie betrachtet wurde. Klassisches Brainstorming bleibt zu oft in vertrauten Denkmustern; gute Kombinationen entstehen erst, wenn der Lösungsraum systematisch geöffnet wird. Genau das leistet der Morphologische Kasten. Entwickelt vom Schweizer Astrophysiker Fritz Zwicky in den 1940er-Jahren, zerlegt die Methode ein Problem in seine wesentlichen Parameter, die unabhängigen Stellhebel der Lösung, und sammelt für jeden Parameter alle denkbaren Ausprägungen. Aus der systematischen Kombination dieser Ausprägungen entsteht ein vollständiger Lösungsraum, aus dem die vielversprechendsten Varianten ausgewählt werden.
Der Morphologische Kasten lohnt sich überall dort, wo eine Lösung aus mehreren unabhängigen Teilentscheidungen besteht, und die Gefahr gegeben ist, vorschnell auf eine vertraute Variante einzuengen.
Die größte Hürde des Morphologischen Kastens ist Abhängigkeit der Qualität des Ergebnisses von der Auswahl der Parameter. Wer die falschen oder zu viele Parameter wählt, erzeugt entweder eine unübersichtliche Matrix oder schließt relevante Lösungsräume aus. Eine weitere Einschränkung: Bei fünf Parametern mit je vier Ausprägungen entstehen mathematisch über 1.000 Kombinationen. Die meisten davon sind sinnlos oder nicht umsetzbar. Die Bewertung erfordert daher Erfahrung und Domänenwissen; Vollständigkeit allein erzeugt noch keine guten Lösungen. Hinzu kommt: Die Methode setzt voraus, dass die Parameter weitgehend unabhängig voneinander sind. Wenn sie stark zusammenhängen, ergeben beliebige Kombinationen keinen Sinn. Und schließlich liefert der Morphologische Kasten selten disruptive, völlig neuartige Lösungen. Sein Wert liegt darin, vorhandene Stellhebel neu zu kombinieren und so Varianten sichtbar zu machen, auf die niemand allein gekommen wäre.