Prozesse in einer gemeinsamen Sprache beschreiben
In den meisten Unternehmen wird derselbe Prozess in drei verschiedenen Versionen beschrieben: einmal vom Fachbereich, einmal von der IT, einmal vom Qualitätsmanagement. Drei Versionen, drei Notationen, drei Missverständnisse. BPMN beendet dieses Problem. Die Business Process Model and Notation ist ein international standardisierter Beschreibungsstandard für Geschäftsprozesse und heute der weltweit am weitesten verbreitete Standard zur Prozessmodellierung. Der Kerngedanke ist einfach: Fachbereich, IT und externe Prüfer sollen dasselbe Diagramm lesen und verstehen können. BPMN schafft eine gemeinsame visuelle Sprache und ermöglicht zugleich eine normkonforme Prozessdokumentation, die Audits standhält und im Idealfall direkt in Workflow-Engines ausführbar ist.
BPMN lohnt sich, sobald Prozesse über einfache Übersichtsdarstellungen hinausgehen und für mehrere Zielgruppen lesbar sein müssen.
BPMN ist mächtig und genau das ist sein zweischneidiges Schwert. Der Standard kennt über 100 Symbole, in der Praxis genügen 10 bis 15. Wer versucht, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, produziert formal korrekte, aber unlesbare Diagramme. Die häufigsten Fehler sind hausgemacht: zu viele Symbole, unklare Task-Benennung, falsch eingesetzte Gateways, vermischte Sequence- und Message-Flows. Ohne unternehmensweite Modellierungskonventionen (Namensgebung, Symbolumfang, Detailtiefe) entsteht ein Zoo unterschiedlicher Diagramme, der schwer zu pflegen ist. Eine weitere Grenze: BPMN beschreibt Prozesse präzise, bewertet sie aber nicht. Ob ein Prozess gut oder schlecht ist, ob er Verschwendung enthält oder Engpässe erzeugt, ist aus dem Diagramm allein nicht ablesbar. Und schließlich gilt der unbequemste Satz: Ein perfekt gezeichnetes BPMN-Diagramm eines dysfunktionalen Prozesses bleibt ein Bild eines dysfunktionalen Prozesses.